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Fotoworkshop Ingolstadt



Objektive gibt es im Handel genügend, doch welches Objektiv eignet sich für welche Aufgabe in der Fotografie?

Ich weiß noch, wie ich mit der Fotografie begonnen habe und den ein oder anderen Fehlkauf tätigte. Kein Bereich der Fotografie ist preislich so intensiv, wie der Objektivbereich. Preise zwischen 5.000 bis 20.0000€ sind sicher selten, dennoch nicht untypisch. Oft haben Sie auch fast gleiche Bezeichnungen, wie Ihre günstigeren Brüder aber einen Unterschied muss es ja geben.

Bei einem Interview auf der Photokina 2010 sagte ein bekannter Portraitfotograf folgendes auf die Frage: Welche Objektive sollte sich ein Fotograf zulegen? Antwort: „Eine hochwertige Kamera braucht ein hochwertiges Objektiv und man solle sich das teuerste kaufen was man sich leisten kann„. Und er hat vollkommen Recht.

Heutige Kameras können  nur dann gestochen scharfe Bilder mit einer Wahnsinns Auflösung aufnehmen, wenn das vorgesetzte Objektiv dies auch zulässt.

Ich möchte Dir in diesem Beitrag die einzelnen Objektivarten einmal genauer vorstellen. Mein Anspruch ist es jedoch nicht, einzelne Objektive unter die Lupe zu nehmen, denn davon gibt es genügend professionelle Tests im Internet. Wenn ich Dir mit diesem Beitrag die ein oder andere Fehlinvestitionen in falsche Optiken ersparen kann, war dieser Beitrag erfolgreich.

 


Welche Objektivarten gibt es und wofür eignen sie sich?

  • Fisheye Objektive
  • Weitwinkel Objektive
  • Normalbrennweitige Objektive
  • Makroobjektive
  • Teleobjektive
  • Super Teleobjektive
  • Tilt-Shift Objektive
  • Spiegelobjektive
  • Tele Zoom Objektive
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Dies sind sicher nicht alle, aber es sind die Gebräuchlichsten.

 


Das Fisheye Objektiv

Fisheye Objektive sind Super Weitwinkelobjektive, welche im Brennweitenbereich von 6 bis 16 mm liegen. Sie haben alle einen Bildwinkel von mindestens 180° und haben gerade in der kreativen Fotografie sehr viele Liebhaber. Man unterscheidet bei diesem Objektiv zwischen einem runden Fisheye, einem Vollformat Fisheye und einem vollkorrigierten Fisheye. Die Namen deuten es schon an, dass es um die Bildaufzeichnung geht. Das runde Fisheye zeichnet seine Bilder kreisrund auf, die Ecken sind vignettiert und die Linien stark verzeichnet. Beim Vollformat Fisheye ist die Abbildung nicht kreisrund, sondern lediglich die Linien werden verzeichnet (gekrümmt) dargestellt. Das teuerste und wohl hochwertigste ist sicher das vollkorrigierte Fisheye, denn dieses schafft Fotos ohne nennenswerte Verzeichnung. Preislich beginnen Fisheye Objektive schon bei 300,00€, sind manuell einstellbar und gar nicht so schlecht in Ihrer Abbildungsqualität. In der Profiliga sollte man mit ca. 1.200,00€ Einstiegspreis rechnen. Ich persönlich, leihe mir ab und zu eins bei meinem Händler aus. Fisheye Objektive eignen sich auf Grund des großen Bildwinkels sehr gut für die Landschaftsfotografie oder für Innenräume, wenn die Verzeichnung nicht stört. Meiner Meinung nach, ist es ein reines Effekt Objektiv. Wichtig ist, dass Du beim Kauf darauf achtest, dass das neue Fisheye Objektiv zu Deiner Kamera (APSC oder Vollformat) passt.

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In meinen verschiedenen Fotokursen, zeige ich die Verwendung der einzelnen Objektive und weise auf die Vor und Nachteile hin!

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Das Weitwinkelobjektiv

Die Gruppe der Weitwinkelobjektive ist groß und jeder definiert sie anders. Im Allgemeinen kann man jedoch sagen, dass Objektive zwischen 20 und 50mm Brennweite Weitwinkelobjektive und Objektive mit 16-20 mm Brennweite Super Weitwinkelobjektive sind. Sie sind oft sehr lichtstark und leider zählen Sie mit zu den teuersten Objektiven. Es gibt Sie als Festbrennweite oder auch als Zoomobjektiv (den Unterschied erkläre ich noch in einem anderen Beitrag).

Die Bauweise ist kurz und das Gewicht recht gering. Weitwinkelobjektive weisen bedingt durch die kleine Brennweite eine sehr große Schärfentiefe auf. Sie erstreckt sich je nach Blende tatsächlich von nah bis unendlich. Ihren Einsatz finden diese Objektive ebenfalls in der Landschaftsfotografie und in Innenräumen. Aber auch, wenn Du eine größere Menschengruppe fotografieren möchtest, lassen sich mit einem  Weitwinkelobjektiv durchaus schöne Effekte erzielen. Die durch die Bauweise bedingten stürzenden Linien kann man weitestgehend in der Bildbearbeitung zum Beispiel mit Adobe Lightroom oder Photoshop korrigieren. Ich nutze für meine Landschaftsfotos von Canon das EF 16-35mm 1:2,8L II USM und bin mehr als zufrieden. Wer nicht so viel Geld in ein Weitwinkelobjektiv investieren möchte, für den hält der Handel als Alternative, spezielle Weitwinkelvorsätze bereit. Sie sind sicher nicht von so hoher Abbildungsleistung, dafür kosten sie meist nur wenige Euro.

 


Das Normalobjektiv

Normalobjektive haben einen Brennweitenbereich von 50-55mm. Sie haben einen Bildwinkel von ca. 45° und entsprechen dadurch ungefähr dem Seheindruck des menschlichen Auges. Es eignet sich sehr gut für die Portraitfotografie und Reportagen. Ein sehr zu empfehlendes Objektiv ist das Canon 50mm 1:1,4 USM. Man bekommt es schon zu einem Preis von ca 400,00€ und die Abbildungsleistung ist nicht zuletzt, wegen der hervorragenden Lichtstärke von 1:1,4 sehr gut. In meinem Fotostudio möchte ich auf dieses Objektiv nicht mehr verzichten.

 


Das Makroobjektiv

Keinen Zweifel, diese Objektive sollte jeder Fotograf in seinem Fotorucksack haben. Makroobjektive zeichnen sich dadurch aus, dass sie selbst im extremen Nahbereich das Motiv noch gestochen scharf abbilden können. Viele Zoomobjektive verfügen über eine Makroeinstellung, diese ist jedoch mit einem reinen Makroobjektiv nicht zu vergleichen und stellt für den anspruchsvollen Fotografen lediglich eine günstige Alternative dar. Aber das soll es wohl auch sein. Reine Makroobjektive können Gegenstände im Maßstab 1:1 darstellen, das heißt in Originalgröße. Makroobjektive finden in vielen Bereichen der Fotografie ihren Einsatz. Ich nutze mein Canon EF 100mm 1:2,8 Makro USM im klassischen Makrobereich, wie Insekten, Produktfotos und Nahaufnahmen einer Pflanze. Aber auch im Studio eignet es sich sehr gut für die Portraitfotografie. Der Hintergrund wird sehr unscharf und die Person wirkt völlig freigestellt. Oft nutze ich auch meine Zwischenringe, welche zwischen Kamera und Objektiv im Bajonett befestigt, die Naheinstellgrenze noch einmal drastisch verkürzen. Auch hier bieten die meisten Hersteller günstige Vorsatzlinsen als Alternative. Ich empfehle Dir für die reine Makrofotografie zusätzlich ein stabiles Dreibein-Stativ mit umlegbarer Mittelsäule.

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Bei den meisten Objektiven ist die optische Abbildungsqualität in den mittleren Blenden 8-13 meist am Besten!


Das Tele– bzw. Super Teleobjektiv

Diese Objektive werden sehr oft von Naturfotografen, aber auch im Outdoorbereich von Portrait- und Reportage Fotografen eingesetzt. Sie beginnen bei einem Brennweitenbereich ab 60 mm und haben einen sehr engen Bildwinkel. Auch verdichten sie die Perspektive. Einfach ausgedrückt, scheint es als rücke der Hintergrund des Bildes weiter nach vorn und somit näher ans Motiv heran. Die Schärfentiefe wird mit immer größer werdender Brennweite geringer, was diese Objektive zur ersten Wahl für die Tier- und Naturfotografen macht. Mit größer werdender Brennweite dieser Objektive, vergrößert sich auch der Vergrößerungsfaktor. So verdoppelt er sich zum Beispiel bei einem 100 mm gegenüber einem Normalobjektiv mit 50 mm. Ich glaube das Teleobjektiv bietet von allen Objektiven die meisten Einsatzmöglichkeiten. Einfach ausgedrückt, sind diese Objektive die Allrounder unter den Linsen. Teleobjektive lassen sich auch sehr gut mit Telekonvertern kombinieren. Tipps und Tricks zu Telekonvertern findest Du in meinem Beitrag „Telekonverter Alternative oder Kompromiss“?

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Teleobjektive eignen sich zum Beispiel für folgende Einsatzgebiete:

  • 85 bis 100 mm sind ideal für die Portraitfotografie (Halbportrait).
  • 100 bis 150 mm sind ideal für Nahaufnahmen in der Natur oder für formatfüllende Portraitaufnahmen. Sie verfügen meist über eine Makroeinstellung, was sie unter den Insektenfotografen sehr beliebt macht. Objektive über 150 mm Brennweite lassen oft das Gesicht eines Menschen etwas flach aussehen.
  • 150 bis 300 mm sind typisch für die Sportfotografie und auf Grund des sehr großen Vergrößerungsfaktors lassen sich entfernte Sportler, wie zum Beispiel Fußballer recht nah ranholen. Hier sollte man unbedingt darauf achten, sich das lichtstärkste Objektiv zu kaufen, welches man sich leisten kann, da sonst sehr lange Verschlusszeiten entstehen.
  • Ab 300 bis 800 mm und mehr, kann es sehr teuer werden, weshalb diese Objektive meist nur von professionellen Sport- und Actionfotografen eingesetzt werden. Sie sind zudem auch sehr schwer. In diesem Brennweitenbereich sollte man unbedingt daran denken, dass die Tiefenschärfe nur sehr gering ausfällt, selbst wenn Du eine kleine Blende wählst.

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Tilt- und Shiftobjektive

Ich glaube, kaum ein Objektiv wirft unter den Hobbyfotografen so viele Fragen auf, wie diese Objektive. Viele fragen sich, ob sie in Zeiten von Photoshop und digitaler Filter mit anschließender Bildbearbeitung wirklich noch ein Tilt- oder Shiftobjektiv brauchen? Ich denke, in der professionellen Architekturfotografie, wo es auf beste Abbildungsqualität ankommt, sind diese Objektive kaum wegzudenken. In der Amateurliga jedoch, findet man unter den Bildbearbeitungsprogrammen sehr gute Möglichkeiten, um perspektivische Verzeichnungen in einem gewissen Maße auszugleichen. Doch wie entstehen eigentlich diese perspektivischen Verzeichnungen, auch stürzende Linien genannt? Jeder hat sicher schon einmal ein Bild eines Hochhauses oder eines Wolkenkratzers gemacht, auf dem die Häuserfront sich nach oben verjüngte und alles aussah, als ob die Fassade nach hinten umfällt. Dies entsteht dann, wenn Du die Kamera nach oben neigst und dann die Bildebene Deiner Kamera nicht mehr parallel mit der Hausfassade verläuft. Shiftobjektive lassen sich in der Achse verschieben und reduzieren somit die stürzenden Linien und man kann ein Gebäude ganz aufs Bild bekommen, ohne die Kamera dafür nach oben neigen zu müssen. Ich werde speziell zu diesen Objektiven bis Mitte 2013 einen eigenen Beitrag schreiben, falls es Dich interessiert. Gute Tilt- und Shiftobjektive liegen preislich zwischen 1.200,00€ bis 3.000,00€. Tilt- und Shiftobjektive, wie das Canon TS-E45mm 1:2,8 müssen manuell fokussiert werden, da Sie über keinen Autofokus verfügen. Mehr dazu in meinem Beitrag.

 


Spiegeltele

Spiegelobjektive zeichnen sich durch Ihre geringe Baulänge aus und besitzen, wie es der Name schon sagt, Spiegel im Inneren zur Lichtführung. Die Lichtstrahlen werden über verschieden angeordnete Spiegel zur Bildebene geleitet. Diese Objektive sind sehr verbreitet in  der Astrofotografie, sind fast frei von chromatischer Aberration und auf Bildern sehen entfernte Lichtreflexe oder Spitzlichter wie unscharfe Ringe aus. Dies wird gern als Gestaltungsmittel eingesetzt. Heute gibt es nur wenige Hersteller dieser Objektive und die Verbreitung hält sich sehr in Grenzen. Im Gegensatz zum normalen Objektiv, werden Filter nicht vorn am Objektiv befestigt, sondern am hinteren Ende in eine Führung eingeschoben. Ich selbst nutze Spiegelobjektive nicht zum Fotografieren, weshalb ich auch nicht so intensiv auf sie eingehen möchte.


Tele – Zoomobjektive

Zoomobjektive bieten die größte Flexibilität für den Fotografen. Auf Grund des großen Brennweitenbereichs lässt sich der Bildausschnitt schnell festlegen und verändern. Der Flexibilität geschuldet, sind Zoomobjektive gegenüber Festbrennweiten leider nicht unbedingt lichtstark und wenn doch, dann sind sie oft sehr teuer. Diese Objektive sind in den meisten Sets enthalten und stellen die meist verkauftesten Objektive der heutigen Zeit dar. Ich nutze zum Beispiel sehr gern mein Canon EF 24-105mm 1:4,0 L IS USM. Es findet im Fotostudio seinen Einsatz, genauso wie in freien Natur oder für Fotoreportagen. Ratsam ist es bei der Wahl eines Zoomobjektives nicht einen zu großen Brennweitenbereich (z.B.: 18-300mm) mit nur einem Objektiv abzudecken, sondern lieber mit mehreren kurzbrennweitigen Objektiven (16-35mm usw.) zu arbeiten. Die Bildqualität ist dann bedeutend besser. Mir hat am Anfang meiner Leidenschaft für die Fotografie mal ein alter Fotograf gesagt: „Kaufe Dir immer das teuerste Objektiv, was Du Dir leisten kannst und Du hast immer die bestmögliche Qualität“. An diesen Rat habe ich mich gehalten und damit nur wenige Fehlkäufe gehabt. Ich finde diese Objektive sehr praktisch und möchte nicht mehr darauf verzichten.


Mein Fazit zu Objektiven:

Die Auswahl an Objektiven ist sehr groß und nicht jedes gute Objektiv muss tatsächlich auch sein. Ich kann Dir nur raten, Deine Objektive an Deine Kamera anzupassen. Das heißt, eine Kamera ist nur so gut, wie das verwendete Objektiv und umgekehrt. Ich halte nicht viel von Vorsätzen wie zum Beispiel den Makrolinsen, da Sie nie die Qualität erreichen, wie ein speziell auf den Aufgabenbereich abgestimmtes Objektiv. Die Abbildungsqualität der heutigen Objektive ist gegenüber den Anfängen sehr gut geworden und Dank der hervorragenden Bildbearbeitungsprogramme wie Lightroom ist auch eine nachträgliche Korrektur während der Entwicklung noch problemlos möglich. Gern leihe ich mir bei meinem Händler mein Wunschobjektiv aus, bevor ich es tatsächlich kaufe, um es ausgiebig zu testen. Erst dann kaufe ich und Fehlkäufe gehören der Vergangenheit an.

Ich wünsche Dir noch viel Spaß beim Stöbern auf Fotoworkshop-Ingolstadt.

Thomas
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Welche Objektive nutzt Du am meisten und welche Erfahrungen hast Du damit gemacht?